USA erkennt europäischen Standard an

Bilanzierungsvorschriften gehören sicher zu den sensibelsten Themen, mit denen Gesetzgeber sich auseinanderzusetzen haben. Wird hiermit doch massiv in die Gestaltungs- und Darstellungsmöglichkeiten der Unternehmen eingegriffen. Kein Wunder, dass mehrere Jahrzehnte vergingen, bis die Staaten der Europäischen Union sich auf eine einheitliche Rechnungslegungsform einigen konnten. Schließlich hatte jedes Land eigene Vorschriften, die auf die Bedürfnisse der betroffenen Firmen recht gut abgestimmt waren. Im Zuge der Entwicklung eines einheitlichen Kapitalmarktes war eine solch verwirrende Vielfalt allerdings weder wünschenswert noch sinnvoll. Mittlerweile bilanzieren die europäischen Gesellschaften nach IFRS (International Financial Reporting Standard). Ziel dieses Regelwerks ist es, die Vergleichbarkeit von Unternehmensdaten und -abschlüssen innerhalb der EU zu ermöglichen.

 

Da verwundert es nicht, dass die USA ebenfalls eigene Rechnungslegungsvorschriften haben, über deren Einhaltung die strenge Börsenaufsicht SEC wacht. Europäischen Aktiengesellschaften, die nicht nur auf ihrem Heimatkontinent, sondern auch in den Vereinigten Staaten gelistet sind, blieb bisher nichts anderes übrig, als ihre nach IFRS erstellte Bilanz mit dem amerikanischen Standard US-GAAP abzugleichen. Doch mit dieser aufwändigen und teuren Prozedur könnte bald Schluss sein. Dafür sprach sich jetzt die SEC aus. Mit dieser geplanten Gleichstellung der beiden Bilanzierungsstandards wird ein längst überfälliger Schritt endlich vollzogen. Grund für die radikale Kehrtwende der US-Börsenwächter ist allerdings weniger die Einsicht, als vielmehr die rückläufige Zahl von Neuemissionen ausländischer Unternehmen an US-Börsen. Aber sei’s drum.

 

Ulrich Hocker