USA bringt Trend zu höherer Ausschüttung

Neben Kurszuwächsen ist die angemessene Beteiligung am Unternehmensgewinn der zweite wichtige Grund für Anleger, Aktien zu kaufen. Leider hapert es gerade in Deutschland hier noch gewaltig.

So blieben im laufenden Jahr rund 60 Prozent der etwa 950 hierzulande börsennotierten Gesellschaften ihren Anteilseignern eine Dividende völlig schuldig. Die restlichen Firmen überwiesen den Aktionären zwar die erkleckliche Summe von insgesamt 20,3 Milliarden Euro, trotzdem blieben die meisten weit hinter der DSW-Forderung zurück, wenigsten 50 Prozent ihres Gewinns auszuschütten. Die Quote überschritt nur selten die 30-Prozent-Marke. Aus Sicht der Vorstände durchaus verständlich. Gibt es doch für das Management einer Aktiengesellschaft kaum ein sanfteres Ruhekissen, als hohe Cashbestände.

Doch die Tage der zwanghaften Thesaurierer scheinen gezählt. Die ersten Vorboten des Trends sind schon erkennbar. So hat etwa der Energiekonzern RWE bereits angekündigt, dass für das Geschäftsjahr 2005 sogar mehr als die Hälfte des Gewinns an die Aktionäre fließen wird.

Wie so oft kommt die Entwicklung aus den Vereinigten Staaten. In diesem Jahr erstatteten die im S&P-500-Index vertretenen Unternehmen rekordhohe 500 Milliarden US-Dollar an ihre Aktionäre. 300 Milliarden hiervon kamen den Anteilseignern allerdings nicht über Dividendenzahlungen zugute, sondern speisten groß angelegte Aktienrückkaufprogramme. Diese sind bei den Investoren durchaus beliebt, wird doch eine kurssteigernde Wirkung erwartet. Werden die vom Unternehmen aufgekauften Titel vernichtet und nicht für den Kauf von Unternehemensbeteiligungen oder zur Befriedigung von Optionsplänen genutzt, kommt eine höhere Gewinnbeteiligung je Aktie hinzu. Nicht bei allen Trends aus den USA war die Hoffnung, dass er über den großen Teich zu uns schwappen möge, so nachvollziehbar.

Ulrich Hocker