Großmäulig und unsinnig

Für einen überraschenden Werbecoup war Michael O’Leary, der Chef des irischen  Billigfliegers Ryanair, eigentlich schon immer. Der Mann ist zweifelsohne ein erfolgreicher Manager, er kann sich und sein Unternehmen aber auch blendend in Szene setzen. Jetzt hat er es erneut versucht. Mitten in der Finanzkrise mußte O’Leary zwar erstmals einen Jahresverlust mit seinen Discountfliegern hinnehmen. Dennoch verkündete der Ire vollmundig, dass er einen Blick auf den Konkurrenten Lufthansa geworfen habe und den Kauf aus den eigenen Kassenbeständen bezahlen könne.

Damit hat der Ire im jahrelangen Dauerwettstreit mit dem etablierten Kranich-Konzern allerdings das Rad deutlich überdreht. Es klingt nicht nur großmäulig und übertrieben, sondern ist in der Realität überhaupt nicht durchsetzbar. Denn die Lufthansa ist rechtlich gegen eine feindliche Übernahme durch ausländische Fluglinien geschützt und kann mit aktien- und luftfahrtrechtlichen Mitteln Kontrollmehrheiten von über 50 Prozent abwehren.

Ohnehin zeigen viele aktuelle Beispiele, dass es sehr gefährlich ist, wenn das kleinere Unternehmen versucht, ein größeres zu übernehmen. Der Käufer geht dabei kaum überschaubare Risiken ein. Schaeffler muß dies gerade im Fall Continental erleben. Auch der erfolgsverwöhnte Porsche-Konzern hat sich mit seinem Übernahmeversuch von VW gefährlich verschluckt.

Erfreulich wie gelassen die Börse auf die vollmundige und irrationale Ankündigung des Iren reagiert hat. Lufthansa-Papiere bewegten sich kaum. Investoren suchen zuallerst nach berechenbaren und nachhaltigen Anlagechancen und folgen nicht blind irgendwelchen Gerüchten oder zweifelhaften Trends. Gut so.

Ulrich Hocker