Auch bei REITs geht der Regierung die Puste aus

Noch vor wenigen Monaten schien es beschlossene Sache, dass so genannte REITs (Real Estate Investment Trust) ab dem kommenden Jahr in Deutschland eingeführt werden. In den USA ist diese Art börsennotierter Immobiliengesellschaften schon lange üblich und erfolgreich. In vielen europäischen Ländern sind REITs bereits eingeführt oder stehen kurz vor der Zulassung. Die Besonderheit liegt in der steuerlichen Behandlung der Gesellschaften, die den größten Teil ihres Gewinns an die Aktionäre ausschütten müssen. Dafür fallen im Gegenzug keine Unternehmenssteuern an.

Doch jetzt scheint es, als würde die vernünftige Idee kurz vor Erreichen des Zieles durch grobe Unkenntnis, falsch verstandenes Gutmenschentum oder auch schlichte Parteitaktik bis zur Unkenntlichkeit verhunzt. So kündigte ein Staatssekretär des Bundesfinanzministeriums an, dass, entgegen der ursprünglichen Absicht, REITs nur in Gewerbe- nicht aber in Wohnimmobilien investieren dürfen. Hintergrund ist wohl in erster Linie die in Teilen der SPD umgehende Angst vor kaltherzigen Immobilienspekulanten und geldgierigen Miethaien.

Dabei sprechen die Fakten eine völlig andere Sprache: Eine Umfrage der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers unter 200 Städten hat ergeben, dass die Mieten für 80 Prozent der staatlichen Wohnungen nicht niedriger sind als die von privaten Objekten. Hinzu kommt, dass fast die Hälfte der deutschen Gemeinden ihren Wohnungsbestand verringern möchte. In der Regel, weil ihnen das Geld für die Sanierung fehlt. REITs böten die Möglichkeit, das Interesse privater Investoren an den drei Millionen Wohnungen im öffentlichen Besitz zu wecken. Bleibt das Prestigeobjekt dagegen auf halbem Wege stecken, nimmt dadurch nicht nur das Image des Finanzstandorts Deutschland Schaden. Die Leidtragenden sind letztlich die Mieter, wenn das nötige Geld für Renovierungen nicht beschafft werden kann.

Ulrich Hocker