Argentinien spielt ein gefährliches Spiel
Wieder einmal hat die argentinische Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) übertölpelt. Die Chance, die Südamerikaner unter Druck zu setzen, verstrich erneut ungenutzt. IWF-Übergangschefin Anne Krueger scheint dabei den butterweichen Kurs des Ex-Chefs und designiertem Bundespräsidenten, Horst Köhler, nahtlos fortsetzen zu wollen. Schon Köhler hatte sich in seiner Amtszeit nicht gerade als Kämpfer für die Interessen der privaten Gläubiger Argentiniens profiliert.
Diesmal standen 3,1 Milliarden Dollar zur Rückzahlung an den IWF auf dem Programm. Die Nichtzahlung hätte die offizielle Zahlungsunfähigkeit des südamerikanischen Staates gegenüber dem Währungsfonds bedeutet. Mit ernsten Folgen: Das IWF-Kreditprogramm in Höhe von insgesamt 13,3 Milliarden Dollar wäre ausgesetzt worden, die noch offenen Kredite hätten umgehend zurückgezahlt werden müssen. Doch gerade an der Härte dieser Reaktion krankt das System. Die Argentinier sind sich sehr wohl bewusst, dass insbesondere die USA keinerlei Interesse an einem dauerhaften wirtschaftlichen Niedergang des südamerikanischen Staates hat. So kam es wie es kommen musste: Sämtlichen Forderungen aus Buenos Aires wurde entsprochen. Der Kredit wurde zwar zurückgezahlt, gleichzeitig bewilligte der IWF aber einen Neuen in gleicher Höhe. Das gesamte Kreditprogramm blieb unangetastet. Was die privaten Anleihegläubiger angeht, beließ es der Währungsfonds bei einigen nichtssagenden Allgemeinplätzen. Offensichtlich ist den Beteiligten nicht klar, dass sowohl IWF als auch Argentinien an den Grundfesten des internationalen Kapitalmarktes rütteln. Wenn sich die Regierung in Buenos Aires mit ihren bisherigen Vorschlag durchsetzt, der für die Anleihegläubiger einen Verlust von bis zu 90 Prozent zur Folge hätte, würde ein bedenklicher Referenzfall für andere Staaten geschaffen.
Ulrich Hocker

